
Was ist Cholesterin? Alles über HDL- und LDL-Cholesterin
Das Wort „Cholesterin“ weckt oft sofort Assoziationen. Vielleicht verbindest du damit auch etwas Negatives. Aber ist Cholesterin gut, schlecht, gefährlich, hilfreich – oder ein bisschen von allem? Und wann solltest du dir Sorgen über einen zu hohen Cholesterinspiegel machen?
Was ist Cholesterin?
Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die dein Körper selbst bildet und die in jeder Zelle deines Körpers vorkommt. Obwohl es oft als Übeltäter gesehen wird, ist Cholesterin für deinen Körper unverzichtbar. Du brauchst es zum Beispiel für:
- Die Bildung von Hormonen: Es ist ein Baustein für Hormone wie Östrogen, Testosteron und Cortisol. Diese Hormone sind wichtig für deinen Stoffwechsel und die Fortpflanzung.
- Den Aufbau deiner Zellmembranen: Cholesterin sorgt für Stabilität und Flexibilität in deinen Zellen und dafür, dass deine Zellen gut funktionieren.
- Die Produktion von Gallensäuren: Gallensäuren sind wichtig, um Fette aus der Nahrung verdauen und aufnehmen zu können.
- Die Bildung von Vitamin D: Du brauchst Cholesterin auch für die Bildung von Vitamin D. Vitamin D ist wichtig für die Knochen und das Immunsystem. Mehr erfahren? Lies hier alles über Vitamin D.
Cholesterin ist also eigentlich eher dein Freund als dein Feind – es sei denn, das Gleichgewicht gerät durcheinander. Das passiert zum Beispiel, wenn du zu viel oxidiertes LDL hast und dadurch ein höheres Risiko für Gesundheitsprobleme besteht.
Wie wird Cholesterin gebildet?
Wusstest du, dass etwa 75% deines Cholesterins in deinem Körper von der Leber gebildet werden? Nur 25% kommen aus der Ernährung. Das erklärt, warum eine gesunde Ernährung wichtig ist, aber nicht der einzige Faktor.
Deine Leber reguliert genau, wie viel Cholesterin dein Körper braucht. Nimmst du über die Ernährung mehr Cholesterin auf, produziert deine Leber automatisch weniger. Bei manchen Menschen kann dieser Mechanismus jedoch gestört sein, zum Beispiel durch:
- Stress. Chronischer Stress kann dein Cholesterin erhöhen. Immer häufiger wird nachgewiesen, dass Cholesterinwerte bei Stress höher sind.
- Einen ungesunden Lebensstil. Ungesunde Ernährung, wenig Bewegung und Rauchen führen zu vielen Störungen.
- Genetische Veranlagung. Erbliche Faktoren können dazu führen, dass dein Körper von Natur aus viel Cholesterin bildet.
Wenn dein Körper aus dem Gleichgewicht gerät, kann dadurch dein Cholesterin ansteigen.
HDL versus LDL: gutes und schlechtes Cholesterin
Cholesterin wird oft in „gut“ und „schlecht“ eingeteilt. Aber was bedeutet das eigentlich?
- HDL (High-Density Lipoprotein) Cholesterin gilt als das „gute Cholesterin“. Es hilft, überschüssiges Cholesterin aus deinen Blutgefäßen zurück zur Leber zu transportieren. In der Leber wird es abgebaut.
- LDL (Low-Density Lipoprotein) Cholesterin wird als das „schlechte Cholesterin“ bezeichnet. LDL transportiert Cholesterin zu deinen Zellen. Wenn zu viel LDL in deinem Blut ist, kann es sich in deinen Blutgefäßen ablagern. Das ist also das Gegenteil von HDL-Cholesterin. Trotzdem ist LDL-Cholesterin an sich nicht unbedingt „schlecht“. Es spielt eine wichtige Rolle beim Transport von Cholesterin zu Zellen, wo es benötigt wird. Das Problem entsteht erst, wenn LDL durch Oxidation geschädigt wird.
/deDer Unterschied zwischen LDL und oxidiertem LDL
Freie Radikale (schädliche Stoffe, die Entzündungen oder Schäden verursachen können) können dein LDL-Cholesterin schädigen. Dieses geschädigte LDL nennen wir oxidiertes LDL. Hier entstehen die größeren Risiken.
Diese Oxidation tritt häufiger bei einem ungesunden Lebensstil auf, zum Beispiel durch:
- Rauchen
- Ungesunde Ernährung (denk an zuckerreiche und stark verarbeitete Produkte)
Das Problem liegt also nicht unbedingt im LDL selbst, sondern darin, wie „gesund“ dein LDL ist und wie stark es oxidiert. Um die Oxidation von LDL zu verhindern, kannst du dich auf ein Ernährungsmuster mit vielen Antioxidantien konzentrieren: Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Diese Stoffe helfen, die freien Radikale in deinem Körper zu neutralisieren, sodass sie nicht mehr schädlich sind.
Die Rolle von Entzündungen
Oft wird ein zu hoher Cholesterinspiegel direkt mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, aber es gibt noch einen anderen wichtigen Faktor: Entzündungen.
Wenn die Innenseite deiner Blutgefäße beschädigt wird, schickt dein Körper (LDL-)Cholesterin an die Stelle, um den Schaden zu reparieren. Cholesterin ist wie eine Art Pflaster auf der „Wunde“. Die Gefäßwand kann zum Beispiel durch hohen Blutdruck, Entzündungen, Rauchen oder Stress geschädigt werden.
Wenn du unter chronischen Entzündungen leidest, führt dein Körper ständig Reparaturen durch und es können Plaques entstehen. Diese Plaques können zu Verengungen in deinen Blutgefäßen führen und bringen viele Risiken mit sich. Es ist also nicht nur ein zu hoher Cholesterinspiegel, der gefährlich ist, sondern auch das Vorhandensein von (lang anhaltenden) Entzündungen.
Was kannst du tun, um Entzündungen zu reduzieren?
- Begrenze Entzündungen so gut wie möglich: Sitze nicht zu lange am Stück, halte Stress unter Kontrolle und reduziere Lebensmittel, die Entzündungen fördern können (wie Zucker und Transfette).
- Halte deinen Blutzuckerspiegel stabil. Schwankungen deines Blutzuckers erhöhen Entzündungen. Wähle deshalb Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index, wie Süßkartoffeln, Quinoa oder Vollkorngetreide.
- Sorge für eine entzündungshemmende Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren (fettreicher Fisch), Antioxidantien (zum Beispiel aus Gemüse, Obst und frischen Kräutern) und Ballaststoffen.
Was bedeuten deine Cholesterinwerte?
Wenn du dein Cholesterin messen lässt, bekommst du meistens eine Übersicht über drei Werte:
- Gesamtcholesterin: Das ist die Summe aller Cholesterinarten zusammen.
- HDL-Cholesterin: Hilft, Cholesterin zur Leber abzutransportieren, wo es abgebaut werden kann.
- LDL-Cholesterin: Transportiert Cholesterin zu den Zellen, kann aber problematisch werden, wenn es oxidiert.
Deine Cholesterinwerte werden in Millimol pro Liter Blut (mmol/L) gemessen. Für Erwachsene gelten derzeit folgende Richtwerte:
- Gesamtcholesterin: Weniger als 5 mmol/L gilt als gesund
- HDL-Cholesterin: Höher als 1 mmol/L für Männer und 1,2 mmol/L für Frauen ist wünschenswert
- LDL-Cholesterin: Niedriger als 3 mmol/L ist ideal
Wann ist dein Cholesterin zu hoch? Ein zu hoher Cholesterinspiegel bedeutet, dass dein LDL-Cholesterinwert höher als 3 mmol/L ist oder dass dein Gesamtcholesterin über 5 mmol/L liegt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Probleme wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
Der Einfluss von Alter und Vererbung auf dein Cholesterin
Deine Cholesterinwerte verändern sich im Laufe der Jahre. Wenn du älter wirst, kann dein LDL-Cholesterin ansteigen, während HDL-Cholesterin sinken kann. Das liegt daran, dass dein Stoffwechsel langsamer wird und es deinem Körper schwerer fällt, überschüssiges Cholesterin abzubauen.
Außerdem spielt Vererbung eine Rolle. Bei familiärer Hypercholesterinämie ist dein LDL-Cholesterin von Natur aus höher.
Wenn du älter als 40 Jahre bist, einen ungesunden Lebensstil hast oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in deiner Familie vorkommen, ist es sinnvoll, dein Cholesterin regelmäßig zu überprüfen. Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann dein Cholesterin ganz einfach über einen Bluttest messen.
Wie hältst du dein Cholesterin gesund?
Die gute Nachricht: Du hast selbst Einfluss auf deine Cholesterinwerte. Hier sind ein paar clevere Tipps:
Iss viele Antioxidantien und Ballaststoffe
Oben haben wir schon kurz darüber gesprochen, wie wichtig Antioxidantien sind, um dein LDL vor Oxidation zu schützen. Antioxidantien kannst du gut über die Ernährung aufnehmen: denk an Vitamin C aus Gemüse und Obst oder Vitamin E aus Nüssen und Samen. Außerdem sind Ballaststoffe aus zum Beispiel Gemüse, Obst oder Bohnen wichtig. Ballaststoffe binden sich im Darm an Cholesterin und helfen, es aus deinem Körper auszuscheiden.
Gesunde Fette statt Transfette
Gesunde Fette wie in Olivenöl, Avocado und Nüssen erhöhen dein HDL-Cholesterin und reduzieren Entzündungen. Vermeide gleichzeitig Transfette aus Fast Food und verarbeiteten Produkten. Transfette erhöhen dagegen LDL und senken dein HDL.
Begrenze Zucker und schnelle Kohlenhydrate
Ein hoher Blutzuckerspiegel erhöht das Risiko für Entzündungen und die Oxidation von LDL-Cholesterin. Vermeide deshalb schnelle Zucker und wähle stattdessen zum Beispiel Süßkartoffeln oder Quinoa.
Beweg dich viel
Sitzen ist das neue Rauchen. Zu langes Sitzen am Stück erhöht Entzündungen in deinem Körper. Versuche deshalb, jeden Tag mindestens 30 Minuten zu gehen, Rad zu fahren oder Sport zu treiben – und nie länger als eine Stunde am Stück stillzusitzen.
Schlaf und Stress
Zu wenig Schlaf und viel Stress erhöhen Entzündungen und können so auch zu erhöhtem Cholesterin beitragen. Sorge für 7–8 Stunden Schlaf pro Nacht und halte deinen Stress unter Kontrolle. Finde Wege, die für dich funktionieren, um mit Stress umzugehen – zum Beispiel Atemübungen, Spaziergänge oder Yoga.
Gut zu wissen
Cholesterin ist nicht dein Feind – es ist eine wichtige und unverzichtbare Substanz in deinem Körper. Probleme entstehen, wenn deine Cholesterinwerte aus dem Gleichgewicht geraten oder wenn dein LDL-Cholesterin oxidiert. Entzündungen spielen dabei eine wichtige Rolle und verdienen Aufmerksamkeit in der Diskussion über Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Du kannst selbst viel tun, um deine Cholesterinwerte gesund zu halten: viel Bewegung, eine gesunde Ernährung und Stress unter Kontrolle zu halten sind allesamt sehr wichtig.
Hast du Fragen zu deinem Cholesterin oder möchtest du wissen, ob du ein Risiko für erhöhtes Cholesterin hast? Wende dich an medizinisches Fachpersonal, um deine Werte messen zu lassen und gemeinsam nach einer Lösung zu schauen. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt in keiner Weise medizinische Beratung.
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