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Widerstandskraft

Wie funktioniert das Immunsystem? Lies alles über deine Abwehrkräfte

Bild von Rosanna Fincken
Herbst und Winter sind die Jahreszeiten, in denen wir uns unseres Immunsystems besonders bewusst werden. Bei einer laufenden Nase oder einem Kratzen im Hals greifen wir schnell zur Obstschale oder zum Vitamin-C-Glas, um unser Immunsystem zu unterstützen. Denn dass unser Immunsystem uns davor schützt, krank zu werden, ist dir sicher nicht unbekannt. Aber wie funktioniert das Immunsystem eigentlich genau? In diesem Blog erfährst du mehr.
 

Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein besonders ausgeklügeltes System und wird auch als unsere Abwehr oder unser Abwehrsystem bezeichnet. Es ist unsere persönliche Gesundheitsarmee, die unseren Körper vor Infektionen durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze schützt. Außerdem hilft es deinem Körper, sich zum Beispiel nach einem medizinischen Eingriff, einer Verletzung oder wenn wir eine kleine Wunde haben, zu erholen. 
 

Das Immunsystem ist im ganzen Körper vorhanden – unter anderem in der Haut, im Darm, in den Atemwegen, im Blut und im Lymphsystem. Es ist ein sehr komplexes System, dessen Ziel es ist, alle schädlichen Stoffe und Zellen im Körper aufzuspüren und unschädlich zu machen. Das können Pathogene sein, wie Bakterien, Parasiten, Pilze und Viren, aber auch beschädigte oder mutierte Zellen oder Toxine aus verarbeiteten Lebensmitteln, Luftverschmutzung, Zigarettenrauch, Schwermetallen, Strahlung (wie übermäßiges Sonnenlicht) oder Chemikalien in Pflegeprodukten und Kosmetika. 

Wie funktioniert das Abwehrsystem? 

Unser Immunsystem besteht aus vielen verschiedenen Bestandteilen. Jeder Bestandteil spielt eine einzigartige Rolle beim Erkennen körperfremder Stoffe, bei der Kommunikation mit anderen Teilen des Abwehrsystems und bei der Bekämpfung einer Infektion. Die Grundlage unserer Immunfunktion bilden unser Blut und die Lymphflüssigkeit. Zusammen transportieren diese beiden Flüssigkeiten alle Elemente des Immunsystems, damit es gut funktionieren kann. Unser Immunsystem besteht unter anderem aus: 

  • Haut und Schleimhäute – Haut und Schleimhäute bilden die Abwehr der ersten Linie und sind die Barriere gegen Einflüsse von außen. Schleimhäute finden wir unter anderem in unseren Augen, im Mund, in der Nase, in den Atemwegen, im Darm und rund um die Geschlechtsorgane. Alle Schleimhäute produzieren Schleim und besitzen Flimmerhärchen, um Eindringlinge nach außen zu befördern. Auf Haut und Schleimhäuten befinden sich außerdem Milliarden nützlicher Bakterien. Diese festen Bewohner nennen wir Flora (Hautflora, Darmflora usw.) und sie sind Teil unseres Mikrobioms. Unser Mikrobiom trägt – genau wie Magensäure und Speichel – ebenfalls zur ersten Verteidigungslinie gegen Krankheitserreger bei. 
  • Weiße Blutkörperchen – unsere weißen Blutkörperchen werden auch als die Soldaten des Immunsystems bezeichnet. Die verschiedenen Arten weißer Blutkörperchen (Phagozyten und Lymphozyten) sind für die Immunantwort auf unerwünschte Eindringlinge und deren Ausschaltung verantwortlich. 
  • Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) – sind eine Art Lymphozyt (weißes Blutkörperchen), die dafür verantwortlich ist, schädliche und infizierte Zellen unschädlich zu machen. Natürliche Killerzellen verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie sehr gezielt schädliche Zellen in einem frühen Stadium zerstören, wodurch Ausbreitung und weitere Ansteckung verhindert werden.
  • Das Lymphsystem - ein Netzwerk aus Lymphknoten und kleinen Gefäßen, über das Immunzellen zwischen Geweben und der Blutbahn reisen können. Die milchige Flüssigkeit, die durch unser Lymphsystem fließt, nennen wir Lymphe oder Lymphflüssigkeit.
  • Die Lymphknoten - kleine, bohnenförmige Drüsen, die im ganzen Körper vorkommen, sich aber vor allem im Hals, in den Achselhöhlen, in der Leiste und im Bauch konzentrieren. Die Lymphknoten sind über die Lymphgefäße miteinander verbunden. Immunzellen sammeln sich in den Lymphknoten, von wo aus sie schnell reagieren können, sobald Antigene bemerkt werden. Eine solche Immunreaktion kann zu einer Schwellung der Lymphknoten führen. 
  • Der Thymus - eine Drüse hinter unserem Brustbein, in der Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) heranreifen. Der Thymus ist außerdem Teil des Lymphsystems.
  • Rachen- und Gaumenmandeln – die Mandeln sind Teil des Lymphsystems und gelten als die Torwächter unseres Abwehrsystems in den oberen Atemwegen.
  • Das Knochenmark – unter anderem verantwortlich für die Produktion von roten und weißen Blutkörperchen.
  • Die Milz - ein faustgroßes Organ, das links unter den Rippen liegt. Die Milz ist Teil unseres Lymphsystems und spielt – genau wie Leber und Nieren – eine wichtige Rolle beim Filtern und Reinigen unseres Blutes. Außerdem werden in der Milz auch die zwei Arten weißer Blutkörperchen (Phagozyten und Lymphozyten) gebildet.
  • Peyer-Plaques – ein spezieller Gewebetyp im Dünndarm, der eigentlich eine Art isolierten Teil des Immunsystems bildet. Die Peyer-Plaques enthalten eine Ansammlung von Lymphknoten, die mit weißen Blutkörperchen gefüllt sind. Das ermöglicht es ihnen, Pathogene (wie Bakterien) aus verdauter Nahrung zu identifizieren und auszuschalten, ohne eine vollständige Immunantwort des Körpers auszulösen.
  • Die Darmflora – unsere Darmflora oder unser Darmmikrobiom ist die gesamte Population aus Bakterien, Hefen und Pilzen, die unseren Darm besiedelt. Die Besiedlungsdichte in unserem Darm – und besonders in unserem Dickdarm – ist unter normalen, gesunden Bedingungen so groß, dass kein Platz für das Ansiedeln von Krankheitserregern bleibt. Sollte dennoch ein Pathogen hängen bleiben, fungiert das Immunsystem im Darm als Fangnetz und die zuvor genannten aktiven Immunzellen gehen sofort in die Abwehr.  
  • Der Blinddarm (Appendix) – ein weniger bekannter Bestandteil unseres Immunsystems ist die Appendix, auch Wurmfortsatz genannt. Dieses Gewebe ist ebenfalls Teil unseres Immunsystems, weil die Appendix das Wachstum gesunder Darmbakterien stimuliert. Wissenschaftler:innen vermuten außerdem, dass dieses kleine Organ als Speicherort für gute Darmbakterien dient. 

Das Immunsystem lässt sich außerdem in zwei wichtige Teile unterteilen: das angeborene Immunsystem und das adaptive Immunsystem. 

Das angeborene Immunsystem 

Das angeborene Immunsystem ist der Teil unserer Abwehrkräfte, den wir von unserer Mutter bei der Geburt mitbekommen. Die Zellen in unserem angeborenen Immunsystem sind die „First Responder“ und nicht auf eine bestimmte Art von Krankheitserreger spezialisiert. Sie reagieren schnell und effizient auf eine breite Palette von Eindringlingen.

Das angeborene Immunsystem ist zugleich die Abwehr der zweiten Linie und wird aktiviert, sobald ein Pathogen unsere Haut oder Schleimhäute durchdrungen hat. Das angeborene Immunsystem besteht nicht nur aus Phagozyten und natürlichen Killerzellen, sondern auch aus Signalstoffen. Die Funktion der Signalstoffe ist es, bestimmte Teile des Immunsystems zu aktivieren und sie auch wieder rechtzeitig zu bremsen. 

Das erworbene oder adaptive Immunsystem 

Das adaptive – auch erworbene oder erlernte Immunsystem genannt – entwickelt sich, je mehr du verschiedenen Pathogenen ausgesetzt bist. Es ist unsere Abwehr der dritten Linie und der Teil, der aktiviert wird, sobald das angeborene Immunsystem nicht in der Lage ist, den Eindringling vollständig auszuschalten. Dieses System reagiert langsamer, aber hat die Fähigkeit, sich an spezifische Eindringlinge anzupassen, sie sich zu merken und sie bei einer möglichen nächsten Infektion wiederzuerkennen. Das adaptive Immunsystem besteht aus verschiedenen Zelltypen, darunter T-Lymphozyten (T-Zellen) und B-Lymphozyten (B-Zellen). 

Wenn ein Krankheitserreger in unserem Körper bemerkt wird, werden sowohl die T- als auch die B-Zellen aktiviert. T-Lymphozyten helfen direkt bei der Bekämpfung der Eindringlinge, indem sie sie angreifen und zerstören. B-Lymphozyten produzieren Antikörper, auch Immunglobuline genannt, die sich an die Krankheitserreger anheften und sie neutralisieren. Diese Antikörper können auch als Signal für andere Immunzellen dienen, die Eindringlinge anzugreifen. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt des adaptiven Immunsystems ist das sogenannte immunologische Gedächtnis. Das bedeutet, dass das adaptive Immunsystem nach einer ersten Infektion einen Erkennungsmechanismus entwickelt, um den Eindringling bei einer nächsten Infektion schneller und effizienter zu bekämpfen. 

Die verschiedenen Arten weißer Blutkörperchen 

Die weißen Blutkörperchen sind die Anführer unserer Gesundheitsarmee. Wie wir oben bereits erklärt haben, sind es die weißen Blutkörperchen, die als Erste reagieren, sobald sich ein Eindringling zeigt. Es gibt verschiedene Arten weißer Blutkörperchen, die wir in Phagozyten und Lymphozyten unterteilen können. 

Phagozyten 

Zu den Phagozyten gehören auch Makrophagen, Neutrophile, Monozyten, dendritische Zellen und Mastzellen. Es ist der Typ weißer Blutkörperchen, der über unsere Blutgefäße und Gewebe ständig auf der Suche nach Viren, toten Zellen und anderen Pathogenen ist. Sie sind daher ein wichtiger Bestandteil unseres angeborenen Immunsystems, bei dem eine unspezifische Immunreaktion gegen die Pathogene ausgelöst wird. Wenn ein Phagozyt einen körperfremden Organismus entdeckt, beseitigt er ihn sofort durch einen Prozess, der Phagozytose (Umschließung) genannt wird. Nach der Umschließung wird das Pathogen verdaut und unschädlich gemacht.  

Lymphozyten 

Lymphozyten sind kleine weiße Blutkörperchen, die den Körper gegen Krankheitserreger, Fremdstoffe und Tumorzellen verteidigen. Zu den Lymphozyten gehören T-Zellen, B-Zellen und natürliche Killerzellen. Lymphozyten zirkulieren hauptsächlich im Blut und im lymphatischen System, werden aber auch im Knochenmark, in der Milz, im Thymus, in der Leber, in den Lymphknoten und in den Mandeln gefunden. Im Gegensatz zu den Phagozyten erzeugen Lymphozyten eine spezifische Immunantwort gegen Pathogene. Diese spezifische Immunantwort wird als adaptives Immunsystem bezeichnet.  

Wie kann ich meine Abwehrkräfte stärken? 

Die Gesundheit unserer Abwehrkräfte bestimmt nicht nur, wie gut wir gegen saisonale Erkältungen gewappnet sind, sondern auch, wie schnell wir uns wieder erholen. Um dein Immunsystem in guter Verfassung zu halten, ist es wichtig, gut für dich zu sorgen. Ausreichend Ruhe, guter Schlaf, täglich draußen sein, eine gesunde Ernährung reich an Vitamin C, D, Zink und Antioxidantien, regelmäßige Bewegung und Stress reduzieren sind alles Faktoren, die für ein gut funktionierendes Immunsystem essenziell sind. Auch die Unterstützung deines Darms kann einen großen Unterschied machen.