
Warum gesunde Darmflora so wichtig für dein Gehirn ist
Unser Darm steht in engem Kontakt mit unserem Gehirn – auch als Gehirn-Darm-Verbindung bekannt. Die Gesundheit deines Darms scheint eng mit deinem körperlichen und mentalen Wohlbefinden zusammenzuhängen. Wusstest du, dass ein großer Teil des Serotonins – ein Stoff, der an deiner Stimmung beteiligt ist – im Darm produziert wird? In diesem Blog nehmen wir dich mit in das besondere Zusammenspiel zwischen deinem Gehirn und deinem Darm.
Das Zusammenspiel zwischen deinem Gehirn und deinem Darm
Alles, was sich in deinem Kopf abspielt, ist Teil des Nervensystems – und ein großer Teil davon befindet sich im Darm. Das Nervensystem reagiert unter anderem auf Stress, Anspannung und (negative) Gedanken. Ist dir zum Beispiel schon einmal aufgefallen, dass du schneller zur Toilette musst, wenn du nervös bist? Der Darm kann unglaublich viel darüber verraten, wie es dir geht – körperlich wie mental. Deshalb wird er auch oft als das zweite Gehirn bezeichnet. Dieses Zusammenspiel nennen wir die „Gehirn-Darm-Verbindung“.
Darm und Stress
Wenn du Stress erlebst, wird das sogenannte „Fight-or-Flight“-System aktiviert. Dadurch bekommen deine Gehirn ein Signal, dass es Zeit ist, in Aktion zu treten. Das setzt bestimmte Reaktionen in Gang, die unter anderem deinen Darm, die Verdauung und letztlich auch die Darmflora beeinflussen. Dein Körper übersäuert durch Stress nämlich schneller. Bei kurzfristigem Stress wird Adrenalin freigesetzt (als Reaktion auf das Fight-or-Flight-Signal). Wenn du langfristig Stress erlebst, wird ständig Cortisol gebildet, was auf Dauer Schäden durch freie Radikale verursacht. Bei vielen Schäden durch freie Radikale brauchst du viele Antioxidantien, um das wieder „aufzuräumen“. Antioxidantien finden wir vor allem in Gemüse und Obst (zum Beispiel Blaubeeren).
Da wir oft nicht genug Antioxidantien aufnehmen, entstehen Abfallstoffe. Das führt zu einer toxischen Belastung. Das bedeutet, dass der pH-Wert (Säuregrad) des Körpers zu hoch ist und die Darmflora schädigt. Die Darmflora besteht nämlich aus guten und schlechten Bakterien. Ein hoher pH-Wert dient als Nahrung für die schlechten Bakterien und sorgt unter anderem dafür, dass weniger gute Bakterien überleben.
Außerdem hast du in Phasen mit viel Stress einen höheren Energiebedarf, und dein Körper braucht mehr Energie, um sich zu erholen. Das erhöht das Risiko für Mängel, weil dein Darm schlechter funktionieren kann. Die Nährstoffe, die du aufnimmst, werden weniger gut aufgenommen – was wiederum Einfluss auf deine Abwehrkräfte hat. So kann es sein, dass du immer mehr diffuse Beschwerden bekommst, weniger Energie hast oder häufiger krank bist.
Darm und Hormone
Wenn der Darm nicht gut funktioniert, wirkt sich das nicht nur auf deinen Körper, sondern auch auf deine mentale Verfassung aus. Verschiedene Hormone werden nämlich im Darm gebildet. Wenn dein Darm nicht gut arbeitet – zum Beispiel durch eine gestörte Darmflora – kostet das viel Energie. Dadurch bleibt weniger Energie für die Bildung dieser Hormone übrig. Es gibt einige Arten von Hormonen, die wir in unserem Darm bilden oder regulieren. Wir gehen kurz auf Neurotransmitter, HPA-Hormone und Östrogen ein.
Neurotransmitter
Neurotransmitter sind die „Botenstoffe“ unseres Körpers und geben Signale – zum Beispiel, wann wir müde sind oder Hunger haben. So spielt Dopamin eine Rolle bei emotionalen Reaktionen und beeinflusst unser Gedächtnis, unsere Konzentration und unsere Stimmung. Serotonin beeinflusst unseren Appetit, unsere Emotionen und kognitive Funktionen und ist die Vorstufe von Melatonin, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Noradrenalin oder Norepinephrin ist verantwortlich für unser „Fight-or-Flight“-System, das aktiviert wird, wenn wir Stress erleben. Und schließlich GABA, das für Gamma-Aminobuttersäure steht. GABA hilft bei der Regulierung von Angst und Erregung und ist außerdem am An- und Entspannen unserer Muskeln beteiligt.
Östrogen
Östrogen ist ein wichtiges weibliches Geschlechtshormon und ist in den meisten hormonellen Verhütungsmitteln enthalten. In unserem Körper wird Östrogen in das Estrobolom umgewandelt. Das Estrobolom ist eine Ansammlung von Bakterien in unserem Darm, die unter anderem am Stoffwechsel beteiligt sind. Diese Bakterien spielen eine entscheidende Rolle dabei, ein ausgewogenes Östrogengleichgewicht im Körper aufrechtzuerhalten.
Das Estrobolom – eine Gruppe von Darmbakterien – spielt eine wichtige Rolle dabei, wie Östrogen im Körper verarbeitet wird. Ein gutes Gleichgewicht dieser Bakterien scheint zu einer gesunden Hormonbalance beizutragen. Außerdem wird zunehmend zur Beziehung zwischen dem Estrobolom und Prozessen wie Entzündungsreaktionen im Körper geforscht. Wie genau diese Mechanismen funktionieren, wird noch intensiv untersucht.
Ernährung und Lebensstilentscheidungen spielen eine wichtige Rolle dabei, ein gesundes Estrobolom zu fördern. Ballaststoffreiche Ernährung, das Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum, Stressreduktion und ein gesunder Lebensstil können alle dazu beitragen, ein ausgewogenes Estrobolom zu unterstützen.
HPA-Hormone
Zwischen Darm und Gehirn besteht über das HPA-Achsen-System eine bidirektionale Kommunikation. Stress und emotionale Zustände können die Darmfunktion beeinflussen – und umgekehrt können Darmprobleme, wie das Reizdarmsyndrom (RDS), Stressreaktionen im Körper auslösen.
Das HPA-Achsen-System reguliert nämlich unsere Stressreaktion. Es beginnt im Hypothalamus im Gehirn, der ein Hormon namens CRH produziert. CRH sendet ein Signal an die Hypophyse, eine Drüse im Gehirn. Die Hypophyse setzt anschließend ein Hormon namens ACTH frei. ACTH gelangt zu den Nebennieren, wo es die Ausschüttung von Cortisol stimuliert – auch bekannt als Stresshormon. Wenn du zu lange oder zu häufig Stress erlebst, kann das Probleme verursachen. Das Verständnis des HPA-Achsen-Systems hilft uns zu verstehen, wie unser Körper auf Stress reagiert und wie das unsere Gesundheit beeinflussen kann.
Woran erkennst du, ob deine Darmgesundheit im Gleichgewicht ist?
Eine gute Darmgesundheit ist wichtig für dein allgemeines Wohlbefinden. Gleichzeitig ist es nicht immer einfach, das von außen zu beurteilen, weil es von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Es gibt jedoch Signale, die häufig mit einer gut funktionierenden Verdauung in Verbindung gebracht werden:
- Du hast einen regelmäßigen Stuhlgang, der sich für dich angenehm anfühlt
- Der Toilettengang gelingt ohne große Mühe
- Der Stuhl hat eine normale Form und Konsistenz (siehe Bristol Stool Chart)
- Nach dem Essen hast du in der Regel keine länger anhaltenden Beschwerden, wie zum Beispiel ein Völlegefühl
Es ist gut zu wissen, dass diese Signale je nach Person unterschiedlich sein können und nicht immer direkt etwas über deine Darmgesundheit aussagen. So kann ein Müdigkeitsgefühl nach dem Essen zum Beispiel auch mit der Zusammensetzung einer Mahlzeit zusammenhängen.
Hast du regelmäßig Beschwerden wie ein aufgeblähtes Gefühl, Bauchkrämpfe oder einen veränderten Stuhlgang? Dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass deine Verdauung aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bei anhaltenden Beschwerden ist es immer sinnvoll, fachkundigen Rat einzuholen.











