
Longevity – die Wissenschaft des gesunden Älterwerdens
Wie wäre es, geistig klar und fit über 100 Jahre alt zu werden? Und wozu ist unser Körper fähig, wenn wir optimal für ihn sorgen? Die Faszination für ein langes Leben beschäftigt uns schon seit Jahrhunderten. Der Begriff Longevity leitet sich zum Beispiel vom lateinischen Wort longaevitās ab. Schon im alten Rom kombinierten kluge Köpfe die Wörter longus (lang) und vita (Leben). In diesem Blog tauchen wir tief ein, worum es dabei geht, und geben dir Tipps, wie du deine Longevity verbessern kannst. Liest du mit?
Heutzutage wird Longevity als die Wissenschaft des (gesunden) Älterwerdens verstanden. Es ist eine Strömung innerhalb der Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, wie wir länger und gesünder leben können. Das wichtigste Ziel ist also nicht nur, mehr Kerzen auszupusten, sondern auch dafür zu sorgen, dass wir fit, aktiv und gesund die Dinge tun können, die wir am liebsten tun. Auch im höheren Alter.
Während früher vor allem darauf geschaut wurde, wie wir unsere Lebensdauer verlängern können (lifespan), liegt der Fokus heute vor allem darauf, wie wir unsere Lebensjahre so gesund und vital wie möglich leben (healthspan). Healthspan geht also über die reine Lebensdauer hinaus – der Schwerpunkt liegt darauf, gesund zu bleiben.
Lebenserwartung heute vs. früher
Im Vergleich zu vor einem Jahrhundert werden wir heute deutlich älter. Wenn du heute in Deutschland geboren wirst, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 81 Jahren. Unsere Urgroßeltern, die um 1900 geboren wurden, hatten dagegen im Schnitt eine Lebenserwartung von nur 44 Jahren. Heute werden wir im Durchschnitt also fast doppelt so alt! Dieser Quantensprung an Lebensjahren ist vor allem Verbesserungen in Medizin, Technologie, Gesundheitsversorgung, Lebensbedingungen und Ernährung zu verdanken.
Die rasanten Entwicklungen in Medizin und Technologie haben jedoch auch dazu geführt, dass wir lange Zeit stark auf Lebensverlängerung und neue Heilmethoden fokussiert waren. Dadurch bekamen Themen wie Prävention und der Erhalt der Gesundheit (zu) wenig Aufmerksamkeit. Wir werden also zwar älter, aber nicht unbedingt gesund älter.
Healthspan vs. lifespan
Der Begriff „healthspan“ bezieht sich auf die Jahre, in denen wir sowohl eine gute Gesundheit als auch eine hohe Lebensqualität haben. Daneben gibt es den Begriff „lifespan“, der unsere durchschnittliche Lebensdauer beschreibt. Healthspan geht also über die Frage hinaus, wie alt wir werden. Der Fokus liegt darauf, gesund zu bleiben.
Und obwohl unsere lifespan seit Jahren zunimmt – in den letzten 100 Jahren hat sich unsere Lebenserwartung verdoppelt – hinkt unsere healthspan noch hinterher. Wir werden also älter, aber unsere Lebensqualität wächst nicht im gleichen Maß mit.
Die Lücke zwischen lifespan und healthspan ist sogar wissenschaftlich belegt und wird auf etwa 9 Jahre geschätzt. So prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass ein Kind, das heute in Deutschland geboren wird, 71 (70,89) der 82 (81,79) Lebensjahre bei guter Gesundheit verbringen wird. Innerhalb der Longevity-Forschung wird dazu enorm viel untersucht. So wird zum Beispiel erforscht, wie Altern genau funktioniert, aber auch, wie sich der Alterungsprozess verlangsamen, stoppen oder sogar umkehren lässt.
Die Revolution des längeren Lebens
Früher ging es Longevity-Fanatiker:innen vor allem darum, so alt wie möglich zu werden – mindestens 150 Jahre. Aber was bringen dir diese zusätzlichen Lebensjahre, wenn du sie nicht bei guter Gesundheit leben kannst? Wenn du schon so alt wirst, dann am liebsten super vital und voller Energie, damit du die Dinge, die du am liebsten tust, weiterhin machen kannst.
"Longevity is only desirable if it prolongs being young, not drags out being old." - Alexis Carrel
Heute folgen Befürworter:innen von Longevity dem Prinzip von Alexis Carrel. Das neue Ziel ist, das gleiche Alter zu erreichen – aber fitter, vitaler, energiegeladener und bewusster. Und wenn das auch noch dazu führt, dass du älter wirst, ist das ein schöner Bonus.
Gut zu wissen: Der Einfluss unserer DNA und genetischen Veranlagung auf unsere Lebenserwartung ist relativ klein – nur etwa 20–30 Prozent. Die übrigen 70–80 Prozent werden durch Faktoren wie Lebensstil, Mindset und Umfeld bestimmt. Egal, wie deine Situation ist: Es gibt immer Spielraum für (mögliche) Verbesserungen, damit du gesund(er) alt werden kannst.
Blue Zones
Bevor Dan Buettner 2005 den Artikel "The Secrets of Long Life" im Magazin National Geographic veröffentlichte, bezog sich der Begriff „blaue Zonen“ vor allem auf die Ozeane. Heute sind die Blue Zones fünf Hotspots auf der Welt, in denen die Bevölkerung überdurchschnittlich alt wird.
Damals suchten Buettner und sein Team nach Orten, an denen nicht nur überdurchschnittlich viele Hundertjährige leben, sondern an denen Menschen auch ohne gesundheitliche Probleme alt werden. Auf Basis dieser Kriterien wurden fünf Blue Zones definiert:
- Ikaria in Griechenland
- Okinawa in Japan
- Ogliastra auf Sardinien
- Loma Linda in Kalifornien
- Nicoya in Costa Rica
Was haben die Blue Zones gemeinsam?
Was am meisten auffällt: Die Bewohner:innen der Blue Zones leben auf eine bestimmte Weise recht isoliert – ob auf einer (Halb-)Insel, in bergigen Regionen oder in einem Dorf. Obwohl sie ziemlich abgelegen wohnen, haben sie alle Zugang zu medizinischer Versorgung.
Außerdem liegen die Blue Zones überwiegend in sonnigen, subtropischen bis tropischen Regionen, sodass ein Vitamin-D-Mangel selten vorkommt. Das ist vorteilhaft, weil Forschende vermuten, dass ein Mangel an dem Sonnenvitamin die Lebensdauer verkürzen kann. Zudem folgen die Bewohner:innen alle einem Lebensstil, der reich an Tradition, Familie und Gemeinschaft ist. Sie leben überwiegend von ihren eigenen Höfen und arbeiten als Hirten oder Fischer. Das bedeutet, dass sie ständig in Bewegung sind und viel Zeit draußen in der Natur verbringen. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus lokalen (selbst gefangenen oder angebauten), frischen und unverarbeiteten Lebensmitteln, während verarbeitete Produkte selten oder nie auf dem Speiseplan stehen.
Was können wir von den Blue Zones lernen? Mit diesen Tipps unterstützt du deine Longevity
Natürlich können wir die Lebensbedingungen unserer Gesellschaft nicht wirklich mit denen der Blue Zones vergleichen – trotzdem können wir definitiv einiges daraus lernen:
- Beweg dich jeden Tag, am besten draußen. Und wechsle ruhige Bewegungsformen (Spazierengehen, Yoga, Radfahren) mit einer guten Einheit ab, bei der du ordentlich ins Schwitzen kommst. Wusstest du, dass schon 15 Minuten Bewegung pro Tag dafür sorgen können, dass du 3 Jahre älter werden kannst? Lies in diesem Blog mehr darüber, wie du Bewegung in deine tägliche Routine bringst.
- Eat the rainbow. Auch wenn man immer viel darüber diskutieren kann, welche Ernährungsform die beste ist: Fast jede ist sich einig, dass unverarbeitete Lebensmittel sowie mehr Gemüse und Obst the way to go sind. Es ist nachgewiesen, dass eine große Vielfalt an Gemüse, Obst, Beeren, Nüssen, Samen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten gut für die Gesundheit ist und das Risiko für verschiedene Krankheiten senkt. In diesem Blog liest du mehr darüber, wie du gesund und super abwechslungsreich essen kannst.
- Einen Schöpflöffel weniger. Aktuell wird viel zur Verbindung zwischen der Kalorienmenge, die wir aufnehmen, und unserer Lebensdauer geforscht. Es gibt verschiedene (Tier-)Studien, die nahelegen, dass eine Reduktion der normalen Kalorienzufuhr um 10–50 % unsere Lebensjahre verlängern kann
- Arbeite an deiner Schlafroutine. Schlaf ist enorm wichtig für unsere Gesundheit – ohne Schlaf kann sich unser Körper zum Beispiel nicht gut regenerieren. Forschende haben herausgefunden, dass gesundes Älterwerden sogar mit einem regelmäßigen Schlafmuster zusammenhängt. Es lohnt sich also, jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen zu gehen und aufzustehen. Nicht nur, um voller Energie alles aus deinem Tag herauszuholen, sondern auch für später! In diesem Blog liest du mehr.
- Stress less und entspann dich mehr. Stress wird auch als silent killer bezeichnet, weil anhaltender oder chronischer Stress das Risiko für gesundheitliche Probleme deutlich erhöht. Wenn du mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft halten musst, ist es deshalb sehr wichtig, dir täglich kurz Zeit zum Entspannen zu nehmen. Lies hier mehr darüber, wie du dein Nervensystem wieder entspannen lernst.
- Umarme deine Liebsten. Nah bei Freund:innen und Familie zu sein ist nicht nur schön – es macht uns auch glücklicher und gesünder und lässt uns außerdem älter werden. Verschiedene Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass ein enges soziales Netz einen positiven Effekt auf die Gesundheit unseres Herzens, Gehirns, Hormonhaushalts und Immunsystems hat. Wie cool ist das?
Mark Hyman schreibt dazu in seinem Buch Young Forever: "Live close to nature. Love deeply. Eat simple food raised sustainably. Move naturally. Laugh and rest. Actually live (And live longer, as it turns out).”
Quellen:
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- Fontana, L., Partridge, L., & Longo, V. D. (2010). Extending healthy life span--from yeast to humans. Science (New York, N.Y.), 328(5976), 321–326. https://doi.org/10.1126/science.1172539
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- Reblin, M., & Uchino, B. N. (2008). Social and emotional support and its implication for health. Current opinion in psychiatry, 21(2), 201–205. https://doi.org/10.1097/YCO.0b013e3282f3ad89






