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Gesundheit

Die Darm-Hirn-Achse: Wie Darm und Gehirn zusammenarbeiten

Bild von Laura Contreras

Die Darm-Hirn-Achse wird immer häufiger erwähnt – aber was bedeutet das genau, und warum bekommt sie so viel Aufmerksamkeit? Dein Gehirn spielt eine wichtige Rolle bei allem, was du denkst und fühlst, während auch dein Darm an verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt ist. Das Zusammenspiel zwischen Bauch und Gehirn ist komplex und Gegenstand zunehmender wissenschaftlicher Forschung. Immer mehr Erkenntnisse zeigen, dass diese Verbindung sowohl mit körperlichen als auch mit mentalen Prozessen zusammenhängt. In diesem Blog erfährst du mehr darüber, wie diese Verbindung funktioniert und welche Rolle unter anderem Cortisol, Serotonin und das Nervensystem dabei spielen.


Was ist die Darm-Hirn-Achse genau? 

Die Darm-Hirn-Achse ist der Kommunikationskanal zwischen deinem Darm und deinem Gehirn. Über Nerven, Neurotransmitter und Hormone – wie Cortisol und Serotonin – „sprechen“ sie den ganzen Tag miteinander. Diese Achse ist ziemlich wichtig: Sie beeinflusst, wie du mit Stress umgehst, wie deine Stimmung ist und wie gut deine Verdauung funktioniert. Einer der wichtigsten Akteure ist der Nervus vagus, ein Nerv, der direkt von deinem Gehirn zu deinem Darm verläuft. Das bedeutet, dass dein Darm dein Gehirn beeinflusst – und umgekehrt. 

Denk daran, wie bei Stress Cortisol ausgeschüttet wird – und das sich direkt sowohl auf dein Gehirn als auch auf deinen Darm auswirkt. Vielleicht kennst du dieses Gefühl im Magen, wenn du etwas Aufregendes vorhast, wie Bungee-Jumping, oder wenn du zum ersten Mal jemanden triffst. Oder das Gefühl, dass du plötzlich auf die Toilette musst – kurz vor einem wichtigen Moment wie einer Präsentation oder einem Bewerbungsgespräch. Umgekehrt hat auch deine Darmgesundheit Einfluss auf deine Stimmung. Nicht umsonst wird dein Darm manchmal als dein „zweites Gehirn“ bezeichnet! 

Der Nervus vagus und dein Nervensystem 

Neben deinem zentralen Nervensystem (dazu gehören dein Gehirn und dein Rückenmark) hast du auch ein enterisches Nervensystem, das dabei eine große Rolle spielt. Dein enterisches Nervensystem ist eine Art „Bauchhirn“ und wird auch das autonome Nervensystem deines Darms genannt. Es arbeitet größtenteils eigenständig und kommuniziert über die Darm-Hirn-Achse sehr viel mit deinem Gehirn.  

Der Nervus vagus spielt dabei eine wichtige Rolle und ist wie eine Art Autobahn, über die Signale gesendet werden. Diese Signale gehen sowohl von deinem Gehirn zu deinem Darm als auch in die andere Richtung: von deinem Darm zu deinem Gehirn. So sind Gehirn und Darm den ganzen Tag miteinander verbunden und schicken sich nonstop Updates

Wenn dein Darm aus dem Gleichgewicht gerät, bekommt dein Gehirn über den Nervus vagus ein Signal – und das beeinflusst dein zentrales Nervensystem. Du kannst dann Unruhe spüren oder dich weniger wohl in deiner Haut fühlen. Umgekehrt kann Stress deinen Darm beeinflussen, wodurch dein Darm wiederum unruhiger werden kann. Wichtig ist, dass dein Nervus vagus gut funktioniert, damit die Signale einander gut erreichen können.

Die Rolle des Mikrobioms 

Dein Darm ist das Zuhause von Billionen Bakterien, Pilzen, Hefen und anderen Organismen – auch Mikrobiom genannt. Diese Mikroorganismen helfen dir, Nahrung zu verdauen, unterstützen dein Immunsystem und bilden Neurotransmitter wie Serotonin, das oft als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Serotonin hat großen Einfluss auf deine Stimmung und deinen Schlaf – und wird zu ganzen 90 % in deinem Darm produziert! 

Ein ausgewogenes Mikrobiom spielt eine Rolle für eine gut funktionierende Verdauung. Außerdem wird immer mehr zur Beziehung zwischen dem Mikrobiom und verschiedenen Prozessen im Körper geforscht – darunter Stimmung und kognitive Funktionen. Auch scheint das Mikrobiom an Prozessen beteiligt zu sein, die mit Entzündungsreaktionen zusammenhängen. Wenn sich das Gleichgewicht im Mikrobiom verändert – zum Beispiel durch Lebensstilfaktoren wie Ernährung oder Stress –, kann das beeinflussen, wie diese Prozesse im Körper ablaufen.

Außerdem spielt dein Darm eine Hauptrolle in deinem Immunsystem. Ein großer Teil deiner Immunzellen befindet sich nämlich in deinem Darm.

Die Auswirkungen von Stress auf die Darm-Hirn-Achse 

Stress ist einer der größten Störenfriede für deine Darm-Hirn-Achse. Wenn du Stress erlebst, schaltet dein Körper in den „Kampf-oder-Flucht“-Modus, und es wird viel Cortisol produziert, um besser mit dem Stress umgehen zu können. Cortisol wirkt sich nicht nur direkt auf dein Gehirn aus, sondern auch auf deinen Darm. 

Wenn dein Körper zu viel und zu oft im Stressmodus ist, kann das zu einem Ungleichgewicht im Darm führen. Ein hoher Cortisolspiegel sorgt dafür, dass weniger Blut zur Verdauung fließt und weniger Verdauungssäfte (wie Magensäure) gebildet werden. Denn in dem Moment, in dem du kämpfen oder fliehen musst, hat Verdauen keine Priorität. Dein Mikrobiom kann aus dem Gleichgewicht geraten, und du kannst Entzündungen bekommen. Weil im Darm alles etwas weniger rund läuft, kann es zu einem aufgeblähten Gefühl, Verstopfung oder Durchfall kommen.  

Entzündungen wirken sich auch auf deine mentale Gesundheit und darauf aus, wie gut dein Nervensystem funktioniert. Langfristig erhöhtes Cortisol kann also auch dein Gedächtnis und deine Konzentration beeinflussen. Dein Gehirn funktioniert dann weniger gut, und du wirst wiederum empfindlicher für Stress. So gerätst du schnell in einen Teufelskreis.  

Stress lässt sich heutzutage nicht komplett vermeiden, aber es ist wichtig, ihn zu regulieren. Finde Wege, um dein Cortisol unter Kontrolle zu halten – denk an Meditation, Yoga, Atemübungen und regelmäßige Bewegung –, um sowohl deinen Darm als auch dein Gehirn gesund zu halten. 

Serotonin: der Verbinder 

Im Darm werden verschiedene Stoffe produziert, die an der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beteiligt sind – darunter Serotonin. Darmbakterien spielen dabei eine Rolle, indem sie Prozesse unterstützen, die mit der Bildung und Regulierung dieses Stoffes zusammenhängen. Obwohl Serotonin, das im Darm produziert wird, nicht direkt ins Gehirn gelangt, ist es Teil eines komplexen Kommunikationssystems zwischen Darm und Gehirn – der sogenannten Darm-Hirn-Achse.
Im Darm ist Serotonin an verschiedenen Prozessen beteiligt, zum Beispiel:

  • Wie schnell deine Nahrung durch den Darm läuft. Die Beweglichkeit (Motilität) wird durch die Menge an Serotonin beeinflusst.
  • Wie viel Flüssigkeit, zum Beispiel Schleim, dein Darm abgeben soll.
  • Wie empfindlich dein Darm auf Schmerzen oder ein Völlegefühl nach dem Essen reagiert. 

Wenn du also zu wenig Serotonin im Darm produzierst, kannst du unter Verstopfung, Schmerzen oder Krämpfen im Darm leiden. Ein Serotoninmangel kann außerdem dazu führen, dass du Angst, Depressionen, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme bekommst – weil dein Darm über die Darm-Hirn-Achse mit deinem Gehirn kommuniziert. 

Loslegen mit der Darm-Hirn-Achse? 6 Tipps für einen gesunden Darm und ein gesundes Gehirn 

Hier sind sechs einfache Tipps, um sowohl deinen Darm als auch dein Gehirn gesund zu halten: 

Ballaststoff-Boost

Ballaststoffe nähren die guten Bakterien in deinem Darm und sorgen so für ein gesundes Mikrobiom. Wenn du deine guten Bakterien fütterst, bilden sie für dich Neurotransmitter, Vitamine und entzündungshemmende Stoffe. Setze auf mindestens 350 Gramm Gemüse und 2 Portionen Obst pro Tag. Variiere so viel wie möglich bei Sorten und Farben, um all die unterschiedlichen Nährstoffe aufzunehmen. Eat the rainbow!

Eiweiße 

Eiweiße sind essenziell für eine gesunde Darm-Hirn-Achse. Sie sind die Bausteine für Neurotransmitter (wie Serotonin), die wichtig für die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn sind. Auch für deine Darmwand und dein Immunsystem sind Eiweiße wichtig. 

Stress less 

Stressmanagement ist essenziell – sowohl für dein Gehirn als auch für deinen Darm. Finde Entspannung, zum Beispiel durch Yoga, Meditation oder Atemübungen, um die Cortisolproduktion zu senken und dein zentrales Nervensystem zu beruhigen. Davon profitiert dein Darm sofort mit.

Ausreichend Schlaf 

Ein guter Schlaf von mindestens 7–9 Stunden pro Nacht hilft deinem Körper, sich zu erholen. Ein gleichmäßiger Schlafrhythmus sorgt für eine gute Balance deiner Darmflora und für Ruhe im Kopf.

Move it 

Regelmäßige Bewegung stimuliert nicht nur dein Gehirn, sondern auch deinen Darm. Bewegung fördert die Durchblutung und reduziert Entzündungen, sodass Gehirn und Darm besser zusammenarbeiten können. 

Gut zu wissen 

Die Darm-Hirn-Achse ist eine starke Verbindung zwischen deiner mentalen und körperlichen Gesundheit. Wenn du gut für deinen Darm sorgst, unterstützt du nicht nur deine Verdauung, sondern hilfst auch deinem Gehirn, optimal zu funktionieren. Gib deinem Darm die Aufmerksamkeit, die er verdient – durch gesunde Ernährungsentscheidungen, weniger Stress und regelmäßige Bewegung. So sorgst du dafür, dass Körper und Geist in perfekter Harmonie zusammenarbeiten. 

Macht dir dieser Blog Lust auf mehr oder möchtest du dich gerne dazu austauschen, wo bei dir das größte Potenzial liegt? Dann schau dir gerne unsere anderen Blogs an oder wende dich bei Fragen an unseren Kundenservice.

Quellen 

  1. Carabotti M, Scirocco A, Maselli MA, Severi C. The gut-brain axis: interactions between enteric microbiota, central and enteric nervous systems. Ann Gastroenterol. 2015;28(2):203-209. 
  2. Mayer EA, Tillisch K, Gupta A. Gut/brain axis and the microbiota. J Clin Invest. 2015;125(3):926-938. doi:10.1172/JCI76304
  3. Pellissier S, Dantzer C, Mondillon L, et al. Relationship between vagal tone, cortisol, TNF-alpha, epinephrine and negative affects in Crohn's disease and irritable bowel syndrome. PLoS One. 2014;9(9):e105328. Published 2014 Sep 10. doi:10.1371/journal.pone.0105328
  4. Cryan JF, Dinan TG. Mind-altering microorganisms: the impact of the gut microbiota on brain and behaviour. Nat Rev Neurosci. 2012;13(10):701-712. doi:10.1038/nrn3346
  5. Breit S, Kupferberg A, Rogler G, Hasler G. Vagus Nerve as Modulator of the Brain-Gut Axis in Psychiatric and Inflammatory Disorders. Front Psychiatry. 2018;9:44. Published 2018 Mar 13. doi:10.3389/fpsyt.2018.00044
  6. Pellissier S, Dantzer C, Mondillon L, et al. Relationship between vagal tone, cortisol, TNF-alpha, epinephrine and negative affects in Crohn's disease and irritable bowel syndrome. PLoS One. 2014;9(9):e105328. Published 2014 Sep 10. doi:10.1371/journal.pone.0105328
  7. Baker DE. Rationale for using serotonergic agents to treat irritable bowel syndrome. Am J Health Syst Pharm. 2005;62(7):700-713. doi:10.1093/ajhp/62.7.700